| Indianische
Kinder und Jugendliche haben jeden Tag mit vielerlei Problemen zu
kämpfen die es schwierig machen, glücklich und gesund aufzuwachsen: |
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Ungesundes
Familienleben
Manche
Eltern sind so abhängig von Methamphetaminen und anderen Drogen,
dass sie alles verkaufen um ihrer Sucht nachkommen zu können.
Außer in der Schule haben die Kinder nichts zu essen, weil
die Mütter und Väter die Lebensmittelmarken verkaufen,
um Geld für Alkohol zu haben.
Manchmal
bitten Kinder den zuständigen Sozialarbeiter sie in einer Pflegefamilie
unterzubringen, damit sie einen Platz zum Schlafen und etwas zu
essen haben.
Viele Kinder gehen nicht zur Schule und die Alkohol- oder Drogenabhängigen
Eltern kümmern sich nicht darum. Das der Familie zur Verfügung
stehende Geld wird für die falschen Dinge ausgegeben und Kinder,
die zur Schule gehen wollen, müssen dort immer in der gleichen
Kleidung erscheinen. Manchmal ist die Kleidung viel zu groß
oder schmutzig. Ältere Kindern ist das zu peinlich und sie
bleiben ganz der Schule fern. |
Traditionelle
Lakota-Werte wurden durch nicht-indianische Werte ersetzt. Der daraus
resultierende Lebensstil mit Alkohol- und Drogenkonsum führt
zu einer Jahr für Jahr höheren Zahl von misshandelten Frauen
und Kindern. In vielen Haushalten im Reservat gehören Misshandlungen
zum Alltag.
Die Sozialbehörden erhalten täglich Berichte von Krankenhäusern,
Schulen, Nachbarn oder der Polizei, dass Kinder angeblich vernachlässigt
oder misshandelt wurden. Das Jugendamt ist gesetzlich dazu verpflichtet,
jeden einzelnen Fall zu prüfen.
Die Sozialarbeiter kommen in Haushalte, in denen die Eltern zu betrunken
sind, um für die Kinder zu sorgen, oder gar nicht erst zu Hause
sind. Zwischen
leeren Bierdosen und verschüttetem Bier sitzen hungrige, weinende
Kinder in schmutzigen Windeln. Manchmal
sind die Haushalte in einem so erbärmlichen Zustand, dass man
kaum glauben kann, dass Eltern ihren Kindern wirklich zumuten dort
zu leben.
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4.
Klasse einer Reservatsschule |
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Schlechte
Wohnverhältnisse
Die Wohnungsnot ist groß und die Wartelisten
für Wohnraum sind lang. Nach einer im Februar 2005 gemachten
Aussage der Stammespräsidentin Cecilia Fire Thunder fehlt im
Pine Ridge Reservat Wohnraum für 1600 Familien.
Es gibt daher Familien, die monatelang im Zelt oder Auto wohnen;
auch im Winter.
Andere leben unter ärmlichsten Bedingungen mit vielen Personen
unter einem Dach. Schätzungsweise ca. 17 Personen in einem
Haus, das für 4 Personen vorgesehen ist oder sogar bis zu 30
Leute in einem Haus für maximal 8 Personen.
Die meisten Häuser sind schlecht isoliert
und haben keine ausreichende Heizung. Ca. 40 % der Haushalte sind
ohne Stromanschluss und viele haben kein fließendes Wasser.
Oft fehlen Herde, Kühlschränke, Betten und anderes Mobiliar.
Ca. 60 % der Haushalte hat auch kein Telefon.
Gemäß einer Studie weisen mindestens
60 % der Wohnhäuser Schimmelbefall vom Typ Stachybotrys auf.
Vor allem bei Kindern, älteren Menschen und Personen mit Atemwegserkrankungen,
die in einem schimmelbefallenen Haus leben müssen, können
ernsthafte, oft tödlichen Erkrankungen auftreten, wie Lungenblutungen
und Krebs.
In vielen Wohnhäusern haben auch Kakerlaken oder Mäuse
das Kommando übernommen.
Boden und Grundwasser im Reservat sind häufig
mit Pestiziden und anderen Giften aus Landwirtschaft, Bergbau und
Müllhalden verseucht.
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Fehlernährung
Die
traditionelle Nahrung der Plains-Stämme bestand
in erster Linie aus magerem Fleisch, Wildgemüsen, Beeren und
Quellwasser. Auch in den frühen Reservatsjahren hatten viele
Familien noch Gemüsegärten und achteten
auf ihre Ernährung. Nach und nach hielt jedoch
der amerikanische Lebensstil Einzug in die Reservate und mit ihm
fettes Fleisch, zuviel stärkehaltige Nahrungsmittel,
wenig Obst und Gemüse und stark zuckerhaltige Getränke
sowie eine überwiegend sitzende Lebensweise.
Ein weiterer Faktor für schlechte Ernährung
ist Geldmangel. Die meisten Familien im Reservat haben nur ein begrenztes
Budget für Lebensmittel, aber viele Personen müssen davon
satt werden. Bei der Auswahl der Nahrungsmittel zählt
daher Quantität vor Qualität.
Das
Ergebnis sind Übergewicht und ernährungsbedingte
gesundheitliche Störungen.
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Gesundheitsprobleme
/ Psychische Probleme
In den
vorhergehenden Abschnitten wurde bereits über
mögliche
Auslöser
für
gesundheitliche Störungen
bei Kindern/Jugendlichen im Reservat berichtet. Darüber
hinaus stellt vieles von dem, was die Gesundheit der Erwachsenen
gefährdet, auch ein Risiko für
die Kinder/Jugendlichen dar: Tuberkulose, Lungenentzündungen,
alkoholbedingte Fahrzeugunfälle und Gewalttätigkeiten
bis hin zu Mord; um nur einige dieser Risiken zu nennen. Das Krankenhaus
in Pine Ridge berichtet über
Fälle, wo 12-jährige
Kinder wegen Geschlechtskrankheiten behandelt werden mussten.
FASE
In 8 von 10 Familien im Pine Ridge Reservat
gibt es Alkoholprobleme. Entsprechend hoch ist die Anzahl der Frauen,
die während
der Schwangerschaft Alkohol trinken und die Anzahl der Kinder, die
an Fötalem Alkoholsyndrom und den Alkoholeffekten (FASE) leiden.
Die wichtigsten Kennzeichen für das Syndrom/die Effekte sind:
-
Wachstumsstörungen vor und nach der Geburt
-
Störungen des zentralen Nervensystems bezüglich Neurologie,
Verhalten und Intelligenz
-
Schädel-
und Gesichtsmissbildungen
- Andere
körperliche, kleinere und größere Fehlbildungen,
z.B. Herz, Gehirn, Nieren
Solche
Kinder werden leicht zu Opfern von Missbrauch und sexuellem Missbrauch.
Sie brauchen meist ein Leben lang Betreuung, die sie oft aufgrund
der durch Alkoholmissbrauch gestörten
familiären
Verhältnisse
nicht erhalten. Sie schließen
sich daher häufig
Kinder- und Jugendbanden an, die als Familienersatz dienen.
Diabetes
Im Pine Ridge Reservat leiden mehr als 45 % der Erwachsenen
über 40 Jahre unter Diabetes Typ II. Diabetes führt zu
zahlreichen Begleit- und Folgeerkrankungen mit einer hohen Anzahl
an Dialyse-Patienten.
Fälle der bei
Kindern/Jugendlichen auftretenden Diabetes Typ I sind eher selten.
Mehr und mehr Kinder und Jugendliche erkranken jedoch an Diabetes
Typ II. Diese Form von Diabetes steht in engem Zusammenhang mit
Übergewicht und Bewegungsmangel.
Selbstmord
Eine Studie besagt, dass die Selbstmordrate
bei indianischen Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren besonders
hoch ist. Sie stellt die dritthäufigste
Todesursache in dieser Altersgruppe dar. Im
Pine Ridge Reservat ist die Selbstmordrate bei Jugendlichen 1 1/2
mal so hoch, wie im Rest der USA.
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Missbrauch
/ Sexueller Missbrauch Eine
Stammesrichterin aus Pine Ridge sagte auf einer im Sommer 2004 in
Rapid City abgehaltenen Konferenz. dass sie derzeit 40 laufende Fälle
von Kindesmisshandlung bearbeitet. Jeden Tag werden durch das Jugendamt
neue Fälle untersucht.
Eine Statistik besagt, dass bei indianischen Kindern die Anzahl der
Fälle von Kindesmisshandlung oder Vernachlässigung
von Kindern doppelt so hoch ist als im Rest der USA. Und es gibt auch
eine Schätzung, dass 40 % dieser Fälle
gar nicht erst bekannt werden. Am
Schlimmsten ist der sexuelle Missbrauch von Kindern (nicht nur bei
Mädchen, sondern auch Jungen). Es gibt Fälle bei denen
das Kind missbraucht wurde, weil die Mutter zur Arbeit ging –
oder sich irgendwo betrank – und das Kind einem Verwandten
oder Nachbarn anvertraute, über den ihr nicht viel bekannt
war. Es gibt auch Eltern, die ihre eigenen Kinder missbrauchen.
Kinder, die sexuell missbraucht wurden, werden als Erwachsene manchmal
selbst zu Tätern. Es gibt verschiedene Gründe hierfür,
aber eines ist sicher: sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen
war nicht Bestandteil des indianischen Lebensstils.
Sexueller Missbrauch kann zu schlechten Leistungen in der Schule,
Aggressivität, Depressionen und Selbstmordversuchen führen.
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Suchtkrankheiten
Tabak
wurde seit vielen Generationen in zeremonieller
Weise verwendet. Der heutige Gebrauch und Missbrauch führt
jedoch zu Krankheit und frühem Tod.
Jeder kennt die Risiken des Zigarettenrauchens. Aber es gibt bei
Kindern/Jugendlichen im Reservat noch eine weitere beliebte Gewohnheit:
Kautabak. Von allen ethnischen Minderheiten haben indianische Kinder/Jugendliche
die höchste Rate von Kautabak-Konsumenten, darunter Kinder
im Vorschulalter. Da Kautabak Nikotin enthält, führt er
auch zur Abhängigkeit. Abgesehen von anderen Gesundheitsproblemen
kann Kautabak zu Zahnfleischschwund und sogar zu Mund- und Rachenkrebs
führen.
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| Alkohol
ist ein weiteres ernsthaftes Problem bei Kindern/Jugendlichen
im Reservat. Eine Studie über indianische Kinder/Jugendliche
der 7. bis 12. Klasse zeigt, dass 71 % bereits Alkohol getrunken haben,
55 % bereits betrunken waren und 34 % innerhalb des vergangen Monats
betrunken waren. Die Reservatskrankenhäuser mussten schon betrunkene
Neunjährige behandeln. |
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| Marihuana
(Cannabis) ist eine weitere im Reservat sehr
beliebte Droge. Obwohl wir wissen, dass Cannabis nicht zu körperlicher
Abhängigkeit führt hat sich doch gezeigt, dass monate- oder
jahrelanger Konsum zu Beeinträchtigungen des Lernvermögens,
des Gedächtnisses, der Wahrnehmung und des Urteilsvermögens
führen kann. Es können auch Schwierigkeiten beim Sprechen,
effektiven Zuhören, Denken, beim Bewahren von Wissen und beim
Lösen von Problemen auftreten. Manche Marihuana-Konsumenten entwickeln
Persönlichkeitsstörungen. Der Besitz und Konsum ist gesetzeswidrig
und Jugendliche, die auf diese Weise aktenkundig werden, haben später
schlechte Chancen einen gutbezahlten Job zu erhalten. |
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Methamphetamine
(Speed) ist ein weiteres ernstes Drogenproblem
bei Jugendlichen im Reservat, das sich schnell verbreitet. Diese Droge
ist mit Kokain vergleichbar, aber nicht so teuer.
Bis jetzt gibt es keine Anzeichen für eine körperliche Abhängigkeit,
die psychische Abhängigkeit ist jedoch sehr ausgeprägt.
Unter dem Einfluss dieser Droge kommt es immer wieder zu Unfällen,
die durch eine krasse Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
verursacht werden. Darüber hinaus kann “Speed” Psychosen
und Paranoia auslösen und damit zu einer erhöhten Selbstmordbereitschaft
führen. |
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Wenig
FreizeitmöglichkeitenI |
Im Reservat
sind viele Haushalte in ländlichen Gegenden. Manche Schüler
verlassen das Haus morgens um 6 Uhr, um mit dem Schulbus zum Unterricht
gebracht zu werden. Manchmal ist die Strecke bis zu 90 Kilometer lang.
Nach der Schule besteht ihre einzige Freizeitbeschäftigung aus
Fernsehen, Video-Spielen oder -Spielfilmen.
Manche Distrikte im Reservat haben Jugendzentren, aber es gibt keinen
Fahrdienst, der die Jugendlichen abholt und zurückbringt.
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